Kein Thema
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„Kein Thema“, sagen wir manchmal.
Wenn uns jemand um Hilfe bittet und wir natürlich helfen, obwohl wir eigentlich gerade selbst ziemlich nah an der inneren Systemwartung entlangschrammen.
Oder wenn uns jemand einen Wunsch abschlägt und wir so tun, als wäre das völlig in Ordnung.
„Kein Thema.“
Manchmal meinen wir das auch genau so. Dann ist es wirklich kein Thema. Nichts, woran wir noch lange denken müssen. Nichts, das innerlich eine eigene Arbeitsgruppe gründet. Nichts, das nachts um halb zwei plötzlich wieder aufsteht und sagt: „Nur noch mal kurz.“
Und manchmal ist es sehr wohl ein Thema.
Nur eben keins, über das wir sprechen möchten.
Wirklich kein Thema
Ich sage heute auch: Kein Thema.
Und meine damit ausnahmsweise nicht, dass ich tapfer über etwas hinwegsehe, das mich eigentlich beschäftigt.
Ich meine meinen Blogbeitrag.
Ich habe nämlich nichts, worüber ich schreiben möchte. Kein Thema.
Oder besser gesagt: Themen waren schon da. Sie standen gewissermaßen im Flur herum und warteten darauf, dass ich eins von ihnen hereinbitte. Aber keins hatte sich ordentlich die Schuhe abgeputzt.
Kein Anschlusstext
Nachdem es letzte Woche um Verluste ging, wäre heute natürlich Gewinn ein schlüssiges Anschlussthema gewesen.
Erfolge. Glück. Das, was bleibt, wenn nicht gerade etwas verloren geht.
Sehr schön. Sehr rund. Dramaturgisch fast verantwortungsvoll.
Nur leider wollten sich die Worte in meinem Kopf nicht zu einem guten Beitrag sortieren. Sie lagen da wie Legosteine nach einem Kindergeburtstag. Alles irgendwie vorhanden, aber niemand wollte barfuß durch diesen Gedankenflur laufen.
Außerdem habe ich das mit dem Erfolg ja schon einmal abgearbeitet. Dass Erfolg am Ende Definitionssache ist. Dass ein gelungener Tag nicht unbedingt der ist, an dem wir etwas Großes erreichen, sondern vielleicht der, an dem wir nicht völlig entgleisen, obwohl ausreichend Anlass bestanden hätte.
Verändert nichts. Bleibt trotzdem wahr.
Es gab Alternativen
Ich hätte auch über das Schulsystem schreiben können.
Darüber, wie ungern ich als Schülerin Teil dieses Systems war und wie merkwürdig schön ich es jetzt finde, wieder Teil davon zu werden. Nur diesmal quasi auf der anderen Seite.
Nicht mehr als die, die irgendwo sitzen muss und sich fragt, warum zur Hölle sie das später mal brauchen soll. Sondern als jemand, der vielleicht einen Raum schafft, in dem Kinder etwas mit den Händen machen dürfen. Etwas ausprobieren. Etwas gestalten. Etwas nicht sofort können müssen.
Das wäre eigentlich ein gutes Thema gewesen.
Vielleicht sogar ein sehr gutes.
Nur offenbar nicht heute.
Die Hitzewelle hätte sich ebenfalls angeboten. Dankbar, naheliegend, gesellschaftlich anschlussfähig. Vier Minuten darüber schimpfen, dass die Hitze allen zu Kopf gestiegen zu sein scheint und heute offensichtlich niemand mehr Auto fahren kann.
Da wäre Material gewesen.
Sehr viel Material sogar.
Aber auch das wollte nicht so richtig. Vielleicht, weil mein Gehirn bei Temperaturen über „angenehm“ automatisch auf Energiesparmodus schaltet. Vielleicht, weil ich selbst nicht ausschließen kann, dass ich ebenfalls Teil des Problems bin, sobald ich bei 32 Grad versuche, rückwärts in eine Parklücke einzuparken, die nur halb so groß wie mein Auto ist.
Auch dazu also: kein Thema.
Gute Nacht
Manchmal ist vielleicht genau das der Punkt.
Dass nicht jeder Text ein großes Thema braucht.
Nicht jeder Gedanke muss sauber ausgearbeitet sein. Nicht jede Woche braucht eine tiefe Erkenntnis, einen runden Bogen und einen Satz, bei dem ich kurz aus dem Fenster schaue und denke: Ja. So ist das Leben..
Das ist ehrlicher als ein Thema, das ich mir mühsam aus den Rippen schreibe, nur damit hier etwas steht, das nach Absicht aussieht.
Also heute kein Verlust. Kein Gewinn. Kein Schulsystem. Keine Hitzewelle.
Nur ein kleines „Kein Thema“, das beim genaueren Hinsehen vielleicht doch eins geworden ist.
Aber das klären wir ein anderes Mal.
💬 Und du?
Sagst du auch manchmal „kein Thema“, obwohl es eigentlich sehr wohl eins ist?
Oder hast du manchmal einfach wirklich keins?